Wir waren uns immer noch nicht ganz sicher, wie unser Dschungelabenteuer in den nächsten Tagen aussehen sollte. Es gab in Iquitos hunderte Anbieter und jeder hatte natürlich das beste Angebot. Simon gab uns den Anbieter seines Hostels weiter, welcher uns tatsächlich ein ganz gutes Angebot unterbreitete. Nichtsdestotrotz dachten wir, wir fragen einfach mal unseren Gastgeber, ob er einen guten Tipp für uns hat. Schon ein paar Minuten später saß Javier mit uns an einem Tisch und erzählte von seinen Touren. Lange Rede, kurzer Sinn, am Ende entschieden wir uns für Javier, da er nur für uns beide eine Tour organisieren und dabei auf unsere Wünsche eingehen würde. 3 Tage, 2 Nächte, nur wir zwei (plus zwei Führer) im Dschungel.

Los ging es per Mototaxi-Shuttle morgens zum „Hafen“. Und tatsächlich, am Ende eines provisorischen Holzstegs, lag nach 20 min das versprochene Boot mit Javier in Einkaufslaune. Er besorgte noch schnell die letzten frischen Zutaten vom Hafenmarkt und los ging es. Die Unterkunft lag ca. 1,5 Std den Amazonas hinunter und erst jetzt, auf dem Boot, merkte man so richtig wie breit der Amazonas in diesem Gebiet war. Man hätte bequem darauf segeln können und der Maschsee (Hannover) passt von einem zum anderen Flussufer mindestens 10x rein. Somit waren wir trotz der längeren Fahrt noch fast im 4G-Bereich von Iquitos.

Die Unterkunft wurde uns als „only for sleeping“ beschrieben und weiter muss man an dieser Stelle auch nicht darauf eingehen. Immerhin gab es fließendes (kaltes) Wasser mit Ausnahme der Toilette, Moskitonetze und ein größtenteils dichtes Dach überm Kopf. Wir waren aber auch nicht für die Spitzenunterkünfte in den Dschungel gefahren, sondern für die Flora und Fauna. Und hier wurden wir nicht enttäuscht. Die Tage verbrachten wir mit Bootsfahrten durch Seitenarme des Amazonas und beobachteten Affen (aktiv), Faultiere (nicht aktiv), Delfine (welche durch Pfeifgeräusche durch unseren guide angelockt werden sollten), Vögel und auch (einen) Kaiman (Edit Elisa: Von dem Kaiman habe ich soeben erst erfahren 😊). Im wackligen Boot versuchten wir uns auch im Piranhafischen, was lächerlich einfach ist. Einfach eine Schnur am Ende eines Stockes mit einem Stückchen Fisch daran ins Wasser schmeißen. Allerdings stellte es sich als durchaus schwierig heraus den Fisch ins Boot zu holen. Elisa schaffte es nach einigen Versuchen einen Fisch (kein Piranha) ins Boot zu manövrieren. Der Guide fragte sie, ob wir ihn mitnehmen wollen oder wieder zurück ins Wasser werfen sollen. Elisa entschied sich für Letzteres. Fisch gabs trotzdem am Abend, denn wir hatten uns explizit „no chicken“ gewünscht. Hühnchen mit Reis gabs schließlich die Tage davor in großen Mengen.

Finde die Affen

Faultier

Blinder Passagier auf unserem Boot

Gemeinsames Frühstück

Durch das Hochwasser (ausnahmsweise keine direkte Folge des Klimawandels sondern einfach saisonal bedingt) haben wir nur zwei Ausflüge zu Fuß gemacht. Einmal zum lokalen großen und alten Baum (tatsächlich sehr groß) und zum Dschungel-Grundstück unseres Führers. Hier hatte er verschiedene Heilpflanzen angesiedelt. Darunter auch Ayahuasca, die berühmt berüchtigte Selbsterfahrungsdroge.

Edit Elisa: Es wurde deutlich, dass Javier sehr im Einklang mit der Natur lebte. Für alles gab es irgendein Mittelchen, welches ganz einfach im Dschungel zu finden war. Er erzählte uns, dass er beim Platz schaffen für neue Pflanzen hin und wieder ein Nest freilegte und dann seine Arbeiten unterbrechen musste, da er es nicht übers Herz brachte, die Tiere dort zu vertreiben. Man hatte das Gefühl, dass er es ehrlich meinte. Für ihn war der Besuch von seiner Dschungelparzelle ein Heimatbesuch; er kannte jeden Strauch. Ob nun vom ihm oder seinem verstorbenen Vater gepflanzt. Auf der anderen Seite sahen wir extrem viel Plastik im Wasser schwimmen, auch direkt vor unserer Lodge. Hier scheint absolut kein Bewusstsein dafür vorhanden zu sein, welche Folgen damit einhergehen. Ich hatte oft den Eindruck, dass für die dort lebenden Menschen der Amazonas ein riesengroßer Mülleimer ist, nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn – irgendwann holt es das Wasser schon ab.

Unterwegs hielten wir auch kurz an einem indigenen Dorf des Bora-Stammes, was aber einen schalen Beigeschmack hinterließ, da es nicht authentisch wirkte und wohl nur für die Tagestouristen aus Iquitos angelegt war. Ich (Enno) hatte insbesondere bei der Tanzeinlage ein deutliches Fremdschämgefühl. Wir legten schnell wieder ab.

Nach 3 gut gefüllten Tagen kamen wir wieder in Iquitos an. Fazit: Auch im Dschungel können die Temperaturen nachts unter 20°C fallen, zu Hochwasserzeiten ist im Dschungel gefühlt mehr Wasser als Landfläche und man braucht viel Erfahrung, um im dichten Grün ein Tier zu entdecken.

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