Als wir nach 3 Tagen Schiffsfahrt in Iquitos ankamen, traf auch hier mich der Schock. Wir fuhren mit einem Mototaxi quer durch die Stadt zu unserem Hotel. Es war laut, denn statt Autos knatterten überwiegend die Mototaxis auf den Straßen herum, es war dreckig, voll und einfach keine sehenswerte Stadt. Aber wie für viele andere Touristen auch war Iquitos nun mal für uns das Tor zum Dschungel.
Bevor die Dschungeltour losgehen sollte, machten wir einen kleinen Ausflug nach Belen, in das „schwimmende Armenviertel“ von Iquitos. Ich wusste vorher nicht so wirklich, was mich erwarten würde. Als wir mit dem Mototaxi mitten in Belen (noch auf dem Festland) abgesetzt wurden, wurde mir etwas anders. Überall war es dreckig, es lag Abfall herum und es stank. In Belen gab es einen großen Markt, auf dem es neben Fisch, Gemüse und Gebratenem angeblich auch etwas speziellere Dinge zu kaufen gab: Krokodile und Affen. Beides haben wir zum Glück nicht gesehen. Simon schickte mir im Nachgang allerdings ein Foto von kleinen Krokodilen.

Nachdem wir ein Stück weitergelaufen sind, fragten wir eine ältere Dame, wie wir zu den Booten gelangen, die uns durch das schwimmende Viertel fahren würden. Da stellten wir fest, dass wir bereits am Anfang des Steges standen – eine ziemlich wackelige Angelegenheit. Neben dem Steg bzw. den provisorisch nebeneinander gelegten Holzbrettern schwamm so viel Plastik im Wasser. Am Ende des Steges fanden wir dann auch jemanden, der uns für 20 Soles (umgerechnet ca. 5€) ein bisschen durch die Gegend fuhr. Ich war etwas zwiegespalten: Auf der einen Seite war es sehr beeindruckend zu sehen, wie die Leute dort lebten. Alle Häuser waren auf Holzpfosten gebaut, sodass die Häuser, während der Regenzeit, im Trockenen standen. Es gab schwimmende Kindergärten, kleine Supermärkte und verhältnismäßig viele Kirchen. Die Kinder badeten in dem braunen Wasser, auch die Wäsche wurde darin gewaschen und die Stromleitungen baumelten wenige Zentimeter über dem Fluss. Auf der anderen Seite war mir dieser Ausflug sehr unangenehm. Enno fasste es mit „Armentourismus“ ganz gut zusammen. Während die Menschen dort mit wenigen Dingen leben mussten, ließen sich die Touristen herumfahren und begafften das dortige Treiben. Ehrlich gesagt, war ich froh, als wir am Ende des Tages wieder in unserer Unterkunft waren.

Am Abend verabredeten wir uns im Zentrum von Iquitos mit Simon zum Abendbrot. Das war ein extremer Kontrast. Wenige Stunden zuvor waren wir im Armenviertel unterwegs und kurze Zeit später saßen wir im Touri-Restaurant mit wundervollem Blick aufs Wasser inklusive Regenbogen. Das sind Momente, in denen einem wieder bewusst wird, wie gut es einem geht.


















