So, nun kommt der bisher für mich schwierigste und unangenehmste Teil der Reise: Die Fahrt mit einem Frachter von Yurimaguas nach Iquitos.
Enno erzählte mir bereits in Deutschland, dass es die Möglichkeit gibt mit einem Frachter über den Amazonas bis nach Iquitos zu schippern. Allerdings hatte ich diese Information eher beiläufig registriert. Als wir dann auf Reisen waren, teilte mir Enno seinen Wunsch mit, einen dieser Frachter zu nehmen. Wie in einigen Blogs zu lesen war, gab es wohl an Bord auch kleinere Kabinen, sogenannte camarotes, welche statt einer Hängematte gebucht werden konnten. Also stimmte ich zu.
Als wir jedoch in Yurimaguas am Hafen (extrem schmutzig, schlammig, laut, viele Menschen) ankamen, wurden wir leider enttäuscht. Auf keinem der Frachter gab es freie camarotes. Nach einer langen Diskussion entschieden wir uns für einen Frachter, der laut Kapitän am nächsten Tag gegen 5 oder 6 Uhr morgens ablegen sollte. An Bord begrüßten uns die bereits untergebrachten Hühner und der aus Köln stammende Simon. Simon erklärte uns, dass er bereits eine Nacht auf dem Frachter verbracht hatte und die Uhrzeit zum Ablegen bereits zweimal nach hinten verschoben wurde. Dann fragte er uns: „Sind denn die Schweine schon da? Wenn die da sind, geht es los“. Die Besatzung war noch immer dabei das Schiff zu beladen, und zwar mittels reiner Muskelkraft – schwere Säcke (50 kg) mit Dünger, Zucker und Gemüse sowie Getränkekisten etc. mussten auf den Frachter verladen werden. Hinzukam, dass nur schmale Bretter zwischen Hafen und Schiff ausgelegt waren, auf denen die Arbeiter in der prallen Sonne, die Ware von A nach B tragen mussten. Echte Knochenarbeit.

Nun gut. Enno und ich fuhren noch einmal in die Stadt, um uns mit Snacks, Wasser, Schüsseln inklusive Löffeln und Hängematten einzudecken. Während der Fahrt auf dem Amazonas sollte es 3 Mahlzeiten pro Tag geben. Nachdem wir die notwendigsten Dinge besorgt hatten, richteten wir uns neben den anderen Hängematten ein. Es gab 2 Toiletten, welche sich in der Duschzelle (= aus einem Rohr kam Amazonas-Kaltwasser) befanden. Die hygienischen Zustände waren eher gewöhnungsbedürftig. Aus den Waschbecken kam auch eher eine bräunliche Flüssigkeit. Das hing aber stark vom aktuellen Standort des Kahns ab; Hafen = braun/ Flussmitte = hellbraun.
Am nächsten Tag, gegen 6 Uhr, kamen die Schweine tatsächlich an Bord und die Fahrt ging endlich los. Insgesamt haben wir drei Nächte auf dem Frachter verbracht. Zwischendrin hielt das Schiff (sowohl am Tag als auch in der Nacht) an, um Waren in den jeweiligen kleineren „Häfen“ (es waren schlammige Flussufer auf die das Boot mit Schwung gefahren wurde) abzuladen. Unruhige Nächte – es wurden immer wieder die Baustrahler ähnlichen Lampen eingeschaltet, direkt neben den Hängematten wurden Materialien abtransportiert, neue Passagiere stiegen ein, einige Passagiere gingen von Bord, der Geruch der Hühner hüllte uns ein und 6 Uhr morgens gab es Frühstück. Zwischenzeitlich wurde ein Schwein geschlachtet, welches den Transport nicht überlebt hat. Tote Hühner wurden einfach in die Küche gereicht (ob diese verarbeitet wurden, ist uns bis heute nicht ganz klar – zumindest gab es Hühnersuppe). Alles in allem ziemlich viel Gewusel. Ach und Enno berichtete mir, dass sich in der Nacht eine Schlange in unser Beiboot geschlichen habe, welche wohl durch ein Besatzungsmitglied mit der Machete enthauptet wurde. Scheinbar war diese Schlange nicht ganz ungefährlich.

Auch wenn ich persönlich diese Art des Reisens nicht noch einmal machen würde, gab es auch schöne Augenblicke. Zum Beispiel als am späten Nachmittag die Delfine aus dem Wasser auftauchten oder ich eine Wasserschlange (mit Kopf) sichten konnte. Die Sonnenuntergänge waren toll, insbesondere mit dem Regenbogen über dem Dschungel. Ebenso war das Essen gar nicht mal so schlecht. Klar, Nudeln mit Reis ist zwar etwas ungewöhnlich aber die Soße und die Gewürze waren sehr gut. Außerdem weiß ich jetzt wie es ist in einer Hängematte zu schlafen – gar nicht mal so unbequem.















