Nach unserem zweiten kurzen Aufenthalt in Cusco planten wir unsere Weiterreise nach Bolivien, zum Titicacasee. Da es keine 3- oder 4-stündige Busfahrt werden würde, entschieden wir uns den Nachtbus zu nehmen. 23 Uhr fuhr unser Bus los. Enno und ich ergatterten die „Logenplätze“ – ganz oben, erste Reihe. Mit einer sich 160 Grad neigenden Lehne und kleinen Vorhängen konnten wir tatsächlich sehr gut schlafen. Der einzige Haken war, dass wir dachten, wir könnten entspannt bis zu unserem Ziel nach Copacabana fahren. Allerdings endete die gemütliche Busfahrt um 5 Uhr morgens an einem Busterminal in Puno. Dort mussten wir eine weitere Stunde warten, um in den nächsten Bus steigen zu können, der uns sicher über die Grenze nach Bolivien bringen würde. Nach drei Stunden hatten wir endlich unseren Stempel im Pass und unser Ziel erreicht: Copacabana. Das bolivianische Copacabana ist aber nicht zu vergleichen mit dem brasilianischem Copacabana – schon die Temperaturen sind wahrscheinlich 20°C zu niedrig. Enno und ich suchten uns direkt am Hafen ein Café, in dem wir frühstücken konnten. Denn eine Stunde später sollte uns die Fähre auf die Insel „Isla del sol“ bringen.

Nach weiteren 1,5 Stunden gingen wir von Bord und orientierten uns kurz. Alle Wege führten nach… oben. Also schleppten wir uns mit unseren jeweils zwei Rucksäcken den Berg hinauf. Nach mehreren Verschnaufpausen und kleineren Flüchen meinerseits – immerhin lag auch der Titicacasee auf ca. 3.800 m – kamen wir in unserem Hostal Inti Wayra an. Der Gastgeber empfing uns sehr herzlich und zeigte uns unsere kleine aber feine Unterkunft mit Blick auf den See und die schneebedeckten Berge. Nun war es Zeit für eine heiße Dusche. Hierfür war das Dusch-Timing entscheidend, denn solargeheiztes Wasser gibt’s eher selten am Morgen, dafür wahrscheinlicher am späten Nachmittag.

Nach einem kleinen, verspäteten Mittagsschlaf und einer Lesesession im Reiseführer entschieden wir uns an diesem Tag nur noch für ein Abendessen. Sowohl der Reiseführer als auch unser Gastgeber empfahlen uns ein Restaurant ganz in der Nähe. Nebenbei bekamen wir den Hinweis eine Taschenlampe mitzunehmen. Ganz oben auf dem Berg angekommen, sahen wir nicht nur das empfohlene Restaurant „Las velas“, sondern auch einen wunderschönen Sonnenuntergang auf dem Titicacasee. Schnell merkten wir, dass es kein Licht im Restaurant gab, sondern nur Kerzen und romantische Musik. Dummerweise hatte ich bereits mit Magenknurren das Restaurant betreten. Nach etwa 2 Stunden hatten wir erst unsere bestellten Gerichte auf Tisch. Trotz der wirklich langen Wartezeit hat es sich durchaus gelohnt. Die Lasagne war fantastisch. Mit gefüllten Mägen leuchteten wir uns den Weg zurück und schlummerten kurze Zeit später in unserem Zimmerchen ein.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg in den Norden der Insel. Unser lonely planet von 2017 riet zwar allen Touristen eine imaginäre Linie nicht zu überschreiten, da es Auseinandersetzungen zwischen den Insulanern im Norden und im Süden gab. Im Jahr 2022 stellte dies, laut unserem Gastgeber, wohl aber kein Problem mehr dar.

Die Insel wirkte sehr verschlafen und verlassen – es waren kaum Menschen zu sehen. Wir genossen die Ruhe und die Sonne. Nach unserer Wanderung suchten wir uns ein nettes Plätzchen für ein kleines Mittagessen. Es gab Tomatensuppe, ein riesen Quinoa-Rührei für Enno und Quinoa-Nuggets für mich. Später stellte sich heraus, dass Enno sein Gericht nicht ganz so gut vertragen hat. Oder es lag daran, dass wir seinen Rest als Abendessenersatz einpacken lassen haben und es in Summe zu viel Ei und Quinoa war. Jedenfalls lag Enno am nächsten Tag flach. Somit verbrachte ich den Tag mit Lesen, einer weiteren Tomatensuppe im Schaukelstuhl und einem fantastischen Sonnenuntergang, welchen ich mit meinem Esel-Freund (es war wirklich ein Esel) genossen habe. Nach diesem Eidebakel ist Enno Eiergerichten eher weniger aufgeschlossen.

 

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