Wir hatten uns, nach einiger Diskussion, für den 5-tägigen Salkantay Trek entschieden. Das sollte unser Weg nach Machu Picchu sein; ähnlich schön, wenn nicht schöner als der bekannte Inka Trail. Für den hatten wir im Übrigen auch keines der 500 täglichen Tickets bekommen können. Wir machten uns im Vorfeld einige Sorgen, ob der Höhenunterschied von 4000 m auf 4630 m am namensgebenden Salkantay Pass am zweiten und schwierigsten Tag machbar ist. Schwer einzuschätzen, wenn man auf dieser Höhe noch nie gewandert ist. Ich war aber einigermaßen optimistisch und uns wurde auch versichert, dass zur Not auch Pferde bereitstehen, um den schnappatmenden Touristen über den Pass zu schleppen. Auch sollte von uns wenig getragen werden. Keine Zelte, kein Schlafsack, kein Essen, nur das Wasser für den jeweiligen Tag und Snacks. Dazu Kamera, Regenjacke, Badesachen, Handschuhe und Mütze – das sollte die Sache erleichtern. Witzig fand ich die folgende Antwort auf die Frage nach dem Mindestalter:

How old do I have to Be?

Very young children may not enjoy this. They should be able to walk (without being carried) for 90 minutes without whining (the whining part applies to children of all ages.

Nach dem Briefing am Vorabend ging es um 4:30 Uhr mit dem Bus drei Stunden in die Berge und der erste Anstieg zum Humantay lake wartete auf uns. Herausfordernd trifft es ganz gut. Während die jungen Hüpfer (< 22 Jahre) zum See hochstürmten, hechelten wir in gemächlichem Tempo hinterher. Es war eine Mischung aus der Höhe (es war unser fünfter Tag über 3000 m) und der doch ungewohnten Anstrengung. Aber wir schafften es und belohnten uns mit toller Aussicht auf den Gebirgssee vor 6000er Kulisse. Nach längerer Fotopause ging es abwärts zum Basecamp auf 4000 m und zum Mittag- und Abendessen. Das Essen war übrigens durchgängig gut: Abwechslungsreich und gut gekocht. Sehr hilfreich, bei Wanderungen von bis zu 9 Stunden (22 km). Wir gönnten uns in dieser Nacht das Upgrade zum Glas-Iglu mit traumhafter Aussicht und für eine hoffentlich sternenklare Nacht mit Milchstraße etc. Bei unserem Nachmittags-Nuck (kleines Nickerchen) konnten wir ersteres auf jeden Fall schon bewundern. Nachts schauten wir leider eher gegen die schnell beschlagenden Scheiben und versuchten mit zusätzlicher Kleidung und einem gut gepolsterten Schlafsack warm zu werden. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt gar nicht so einfach. Während des Abendessens bekamen wir noch den Tipp das Iglu nicht ganz zu schließen, da wir sonst von unserem eigenen Kondenswasser geweckt werden würden.

Edit Elisa: Ich hoffte nebenbei, dass ich in der Nacht nicht die Örtlichkeiten aufsuchen müsse. Unser guide riet uns, falls wir um Mitternacht auf die Toilette müssten, sollten wir uns sehr dick anziehen und ein Tuch über die Nase legen, da wir sonst Probleme mit der Höhe bekommen könnten. Außerdem gab es kein Licht und es reizte mich auch nicht aus meinem warmen Schlafsack, aufgerüstet mit Stirnlampe und Toilettenpapier, zur nächsten Toilette hoch kraxeln zu müssen.

Um 5:15 Uhr weckte uns ein Koch mit heißem Cocatee und nach leckerem Frühstück ging es über den Salkantay Pass. Elisa hatte sich schon am Vorabend für ein Pferdetaxi entschieden; der Aufstieg zum Gebirgssee am Vortag hatte ihr gereicht. Es war tatsächlich ziemlich fordernd und unterwegs bzw. am höchsten Punkt fühlten auch einige der Mitwanderer die Höhe (Erbrechen und Kopfschmerzen). Ein Pärchen musste bereits am Abend des ersten Tages die Wanderung abbrechen und nach der Übernachtung zurück ins Basecamp gehen. Nach einer kleinen Zeremonie zur Besänftigung des „Apus mountain gods“ ging es endlich wieder abwärts bis zum nächsten Camp, wo wir gegen 16 Uhr ankamen. Gut 11 Stunden Wandern inklusive Pausen ist realistisch. Auch wenn es nach dem Pass nur noch runter ging, freuten wir uns doch anzukommen und gönnten uns das Heiß-Dusch-Upgrade für jeweils 10 Soles (etwa 2,50€). Es waren die kleinen Dinge, die die Stimmung wieder hoben. Die Nacht verbrachten wir diesmal in einer kleinen privaten Holzhütte, wieder mit Panoramafenster mit Blick auf Tal und Sterne.

Am nächsten Tag ging es wieder früh los, aber diesmal waren nur 6 Stunden wandern (bergab) mit Besuch einer Kaffeeplantage (ganz nett) und abendlichem Thermalbad in Santa Teresa angekündigt. Also quasi wandern zum Entspannen. Es war auch wirklich kein Vergleich zum Vortag. Highlight war die Entdeckung einer Frucht „Passion Fruit“ (Granadilla), die quasi eine Maracuja darstellte, aber einfach sehr süß schmeckte. Etwas schwierig zu essen (es war meist eine Art zutschen des Fruchtinneren, nachdem man die Schale aufgebrochen hatte), aber wirklich lecker. Drei Früchte für 1 Sol (0,25 €) sind ein guter Deal, falls jemand auf der Suche ist. Die Unterkunft an diesem Tag bestand dieses Mal aus einem echten Zelt und war damit das zweite Mal Zelten überhaupt für Elisa. Und dabei hatte sie schon nach jener Nacht im Garten geschworen, diese unnötig unbequeme Unterkunft zukünftig zu meiden. Und jetzt. Mit 32 Jahren kommt es doch dazu – muss wohl an meinem schlechten Einfluss liegen. Sie sah der Sache aber ganz entspannt entgegen. Der Besuch der Thermalquelle mit Blick auf die Anden hat hier wohl die Gemüter etwas besänftigt. Stressig wurde der Abend nur noch, als die angekündigte „Party“ im Camp vom jungen, hauptsächlich französischen Feiervolk sehr gut angenommen wurde und erst gegen 23 Uhr endete. Etwas unnötig, fanden wir und die älteren (Ü 30) Mitwandergenossen.

Der letzte Tag vor dem Erreichen von Machu Picchu Village (Aquas Calientes) war wieder etwas länger (22 km, 9 Stunden Wanderzeit) und beinhaltete den Aufstieg zum Llactapata-Aussichtspunkt. Der erste Blick auf Machu Picchu (im Übrigen: Matchu Pikchu ausgesprochen)! Endlich gab es auch einen weiten Blick auf die bewaldeten Berghänge die Machu Picchu umgeben und uns schon am Vortag umschlossen haben. Welch Unterschied zum felsigen Hochgebirge am ersten und zweiten Tag der Wanderung. Das machte sich auch in den Temperaturen bemerkbar. Nun hieß es: Mückenspray rauskramen. Der dichte Wald begleitete uns auch auf dem Weg hinab zum Mittagsstop; der Bahnstation (Hidroelectrica) im Tal. Von hier aus folgten wir den Schienen (war sehr viel schöner als es sich anhörte) stetig, aber nicht steil bergauf nach Aquas Calientes. Rechts und links ragten hohe, grüne Berge in den Himmel und auf einem davon verbarg sich auch wieder Machu Picchu. Wir kamen dem Dschungel immer näher – Bananenplantagen waren nun wieder sichtbar. Nach heißer Dusche (erstmals wieder ein privates Badezimmer, wir hatten kaum zu hoffen gewagt) fielen wir in den Schlaf der Weit-Gewanderten. Wir waren so, so, so froh, dass wir keine Eintrittskarte für MaPi um 6 Uhr morgens „ergattert“ hatten. Für uns ging es erst gegen 12 Uhr rein und um ehrlich zu sein – einige der Mitwanderer beneideten uns etwas. Klar, wenn du der Erste oben bist, dann läuft dir keiner ins Foto und du hast MaPi für dich allein. Aber realistisch gesehen haben 500 andere Touris den gleichen Gedanken – ich bin zumindest froh, dass Elisa auch keine Frühaufsteherin ist…

Um 12:30 Uhr, als wir uns auf den Weg machten (ohne unsere quackelnde Wandertruppe, die uns die anderen Tage begleitet hat), kamen uns zumindest wieder mehr Touris entgegen als nach oben fuhren. Wir machten uns Hoffnung auf ein nicht-überfülltes Inka-Denkmal und wurden auch nicht enttäuscht. Bilder sprechen hier für sich. Ein lohnender Abschluss für die weite Wanderung!

Zurück nach Cusco ging es per Zug + Bus, so dass wir gegen 23 Uhr beim Schnucki-Spezial-Hotel mit Badewanne (hatte ich Elisa versprochen) ankamen und es uns die nächsten zwei Tage gut gingen lassen. Ich glaube, das Frühstücksbüffet mit über 20 m Länge und europäischen Zutaten war dabei das Highlight. Fazit der Wanderaktion: Ja, man kann 22 km am Tag wandern und ja, es ist anstrengend, aber machbar. Wir sind durch tolle Landschaften gewandert und haben Ecken von Peru gesehen, die man eben nur zu Fuß erreicht. Machu Picchu ist nicht überbewertet und insbesondere wegen der einzigartigen Lage in den grünen Anden wirklich etwas Besonderes.

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