Gibt es so etwas in Deutschland? Nachtbusse? Jedenfalls war der Nachtbus von La Paz nach Uyuni spitze. Gemütliche Sitze, ein warmes Abendessen, Tee oder Kaffee, aber auf jeden Fall Wasser, Kopfkissen inkl. Decken und am nächsten Morgen gab es tatsächlich auch ein kleines Frühstück. Ich würde sagen: 10 von 10.
Da La Paz mich absolut nicht überzeugen konnte, freute ich mich umso mehr auf die deutlich kleinere Stadt Uyuni und die umliegende Salzwüste. Als wir in Uyuni, um 6 Uhr morgens, ankamen, war es eisig. Wirklich eisig – kalter Wind und Minusgrade. Wir zogen alles an, was wir hatten. Glücklicherweise konnten wir nach mehreren Klingelversuchen endlich in unser Hostal (wir hatten mal recherchiert: Das bezeichnet Bed and Breakfast bzw. Pensionen in Südamerika) einchecken. Und noch besser kam es, als wir die Fußbodenheizung bemerkten. Nach einem Nickerchen machten wir uns auf den Weg, um unser nächstes Abenteuer zu buchen: einen Ausflug in die Salzwüste. Schnell wurden wir fündig: eine 3-Tagestour mit einem Jepp mit maximal 4 weiteren Personen.
Uyuni war eine eigenartige Stadt. Sie erinnerte mich ein wenig an eine Geisterstadt an einem kalten Novembertag. Es gab sehr breite, staubige Straßen, flache Häuser, morgens Nebel, der sich über die Stadt legte und tagsüber kämpften sich die Sonnenstrahlen durch. Nun ja, ich denke ein Tag in Uyuni ist ausreichend. Die meisten Besucher kommen mit großer Sicherheit nur wegen den Touren in die Wüste hierher.
Am nächsten Morgen trafen wir unseren guide José an der Agentur. Ich stellte fest, dass Enno und ich allein waren und somit, zumindest an diesem Tag, eine Privattour bekommen sollten. Ich freute mich. Nachdem wir noch unsere Mahlzeiten unterwegs einsammelten, ging es zu unserer ersten Station: den train cemetery. Wie uns José erzählte, wurden damals per Zug die Metalle und Salze an die Pazifikküste (heute in Chile, damals gehörte es noch zu Bolivien) transportiert und Uyuni wurde zu einer der wichtigsten Städte Boliviens. Aber die Zeiten ändern sich und so rosten nun die aussortierten Züge vor sich hin. Für mich war es dennoch ein ziemlich beeindruckendes Bild. Diese Züge mitten in der Wüste umgeben von den Bergen. Nach einer kurzen Fotosession ging es nun tiefer in die Salzwüste hinein. Es war verrückt. Es war alles weiß. Nur im Hintergrund sah man immer mal wieder Berge, ansonsten nur Salz und blauen Himmel. Und das ist auch das Geheimnis für die vielen im Internet kursierenden Bilder/ Motive. Enno und ich versuchten es auch. Zum Glück hatten wir José dabei, der schon sehr geübt darin war die perfekte Pose zu finden. Der nächste Halt war das erste (mittlerweile nicht mehr betriebene) Salzhotel, welches mitten in der Wüste erbaut wurde. Nebenbei führte dort auch die Route der Dakar-Rally entlang. Besonders schön fand ich es, dass José unser Mittagessen mitten in der Wüste aufbaute. Die meisten anderen Touristen dagegen gingen in das im Hotel untergebrachte Restaurant. Wir hingegen konnten die Aussicht und das „Llama“-Steak genießen. Zu unserer Verteidigung: Wir haben erst so ziemlich mittendrin erfahren, dass es sich hier um Lama handelt. Für Enno blieb es auch nicht das letzte Lama auf dem Teller, wobei das hier wohl das Beste gewesen sei. Der nächste Stopp unserer Tour führte uns zur Kakteen-Insel: Incahuasi, was für mich ebenfalls sehr beeindruckend war. Mitten in der Wüste gibt es eine Insel, auf der nur Kakteen wachsen. José erzählte uns, dass dort extra Vögel ausgesetzt wurden, um die Bestäubung der Kakteen zu gewährleisten. Scheint zu klappen.

Bis dahin hatte mich die Salzwüste schon sehr fasziniert. Aber als wir dann unseren letzten Stopp für diesen Tag erreichten, war ich hin und weg. Wir haben den Sonnenuntergang mit einem Gläschen Wein an einem Tisch in der Wüste erlebt. So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen. Die Farben am Horizont spiegelten sich auf der dünnen Wasserschicht über dem Salz wider. Die Farben waren so intensiv und leuchtend. Dieses Spektakel mitzuerleben, war absolut fantastisch. Nachdem wir ordentlich durchgefroren waren, ging es dann wieder nach Uyuni, in unser Salzhotel. Bestimmte Bereiche des Hotels waren tatsächlich aus Salz angefertigt, wobei ich jetzt offenlassen möchte, ob ich den Wandzustand per Lecktest bestimmt habe.

Am nächsten Morgen holte uns José 8.30 Uhr ab und wir fuhren zur Agentur zurück. Dort warteten bereits die anderen Mitfahrer. Nachdem wir uns alle ins Auto gequetscht hatten – und ja, quetschen ist hier das richtige Wort – fuhren wir Richtung Süden los. In den folgenden zwei Tagen sind wir durch, wie sollte es anders sein, beeindruckende Landschaften gefahren. Unser Auto war zu 90% allein auf den holprigen Pisten unterwegs. Auf der rotbraunen Erde mit den gelblichen Grasbüscheln haben wir Vicuñas und Llamas gesehen (José meinte, dass die Lamas in der Regel nur bis zu 2 Jahre alt und dann geschlachtet werden – sie werden hier nicht zur Wollproduktion genutzt, da die Lamas ohne ihre Wolle sogar im Sommer Probleme haben. In anderen, wärmeren Regionen schaffen sie es bis ins siebte Jahr, aber dafür ist das Fleisch dann zäh). Ich dachte immer, der Schmuck an den Lamas ist eher zur Belustigung der Touristen gedacht. Aber es ist wohl so, dass alle Lamas irgendeinem Besitzer gehören. Da sich manchmal die Herden vermischen, haben die Besitzer die Lamas mit unterschiedlichen Farben an den Ohren markiert, um sie ihrer Herde zuordnen zu können.

Wir sind an wunderschönen Lagunen mit Flamingos vorbeigekommen, haben Geysire spucken sehen und als Abschluss waren wir alle in den hot springs baden, und endlich waren sie so, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte: Mitten in der Natur, nichts als Dampf in der Umgebung und das Beste: Sie waren wirklich heiß (38°). Nach den recht kalten Tagen zuvor war das eine willkommene Abwechslung. Die meiste Zeit haben wir zwar im Auto verbracht, da die Lagunen und alle anderen Sehenswürdigkeiten sehr weit auseinander lagen, aber das war ok. Im Auto wurde immer fleißig rotiert, damit auf der Rückbank jeder Mal die Chance bekam sich die Knie in den Magen zu ruckeln.

Diese Tour war auf jeden Fall eines meiner absoluten Highlights der Reise. Enno und ich haben schon gesagt, wir würden definitiv noch einmal nach Bolivien kommen. Zum einen, weil wir einfach für Bolivien nicht mehr so viel Zeit hatten und gern das Pantanal sehen würden wollen. Und zum anderen, weil wir noch einmal in die Salzwüste wollen, um von dort aus die Grenze nach Chile passieren zu können.


























































