Zwischen meiner Vorstellung von Havanna und der angetroffenen Realität lagen Welten. Havanna ist dreckig, voll, laut und wirklich arm. Ich war äußerst schockiert. Es gab nette Viertel und zum Teil wunderschöne Gebäude – aber ich hatte das Gefühl, dass dies die Orte waren, welche extra für die Touristen hergerichtet wurden. Der Verfall von Havanna ist deutlich zu sehen, was ich wirklich sehr schade finde – irgendwie erinnerten mich Havannas Gebäude an einen riesigen lost place.
Umso schöner war es für mich, als wir am dritten Tag von Havanna zu meinem Onkel Fernando nach Santiago de las Vegas (Vorort von Havanna) gefahren sind. Mein Onkel zeigte uns das Familienhaus meines Papas und den kleinen, überschaubaren Ort. Es waren verhältnismäßig viele Menschen auf der Straße. Mein Onkel erklärte uns, dass die Menschentraube darauf wartet, dass ein Polizist 5-10 Menschen mitnimmt und in den Lebensmittelladen lässt. Er meinte, es kann bis zu 5 oder 6 Stunden dauern bis jeder im Laden war. Es kann aber auch durchaus passieren, dass es am Ende nicht jeder in den Laden schafft.

Ein weiterer Programmpunkt an diesem Tag war der Besuch meines Großonkels in La Salud. Zunächst standen wir drei an einer Art Bushaltestelle. Wir warteten und warteten und warteten… Es kam kein Bus. Die Reaktion meines Onkels: Auf Kuba ist alles schwierig. Da kein Bus zu kommen schien, gingen wir zu seinem Nachbarn Pedro. Pedro lief los und wollte sein etwas weiter weg geparktes Auto holen. Leider kam er mit leeren Händen zurück und sagte die Bremse würde nicht funktionieren. Nun gut, es war dann auch erst einmal Zeit für einen kleinen Mittagssnack. Diesen bestellten wir in einem wirklich hübschen, kleinen Restaurant. Für uns gab es „ropa vieja“ (alte Kleidung) – ein typisch kubanisches Fleischgericht. Gestärkt liefen wir wieder zu Fernandos Haus. Kurz darauf kam ein Auto vorgefahren (woher das kam – keine Ahnung) und wir konnten endlich nach La Salud fahren.
Dort wurden wir sehr herzlich empfangen. Alle Frauen redeten auf Spanisch auf uns ein, gestikulierten wild und zeigten uns dabei den Garten mit den Kaffee- und Mangobäumen und das Haus. Außerdem wurden sämtliche Fotoalben ausgegraben, um mir zu zeigen und zu erklären, dass ich als kleines Kind schon einmal in genau diesem Haus war und mit den Kindern meiner Großcousinen gespielt und geplantscht habe.

Trocknung der Kaffeebohnen auf dem Dach


Mangos
Es war so schön zu sehen, wie sehr sie sich über unseren Besuch gefreut haben. Wie wir dann erfahren haben, sollten wir eigentlich dort zu Mittag essen. Da aber mein Onkel kein Telefon besitzt, war die Kommunikation nicht möglich. Also gab es „nur“ die Nachspeise: Flan – ein puddingähnlicher, äußerst süßer, Kuchen. Leider konnten wir nicht allzu lange bleiben, da unser Fahrer wieder zurückfahren wollte. Bevor wir aber ins Auto stiegen, wurden uns noch einmal die Betten und Klimaanlagen gezeigt mit dem Hinweis, dass wir jederzeit wieder kommen könnten und im Haus ausreichend Platz wäre. Diese Einladung werden wir definitiv annehmen. Mit einem guten Gefühl fuhren wir zurück nach Havanna, in unsere Unterkunft.

